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Ausblick auf 2026: Zwischen Orientierungslosigkeit und Gestaltungskraft

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Pascal
Strategie 26

2026 wird ein Jahr der Spannung: Zwischen globaler Unruhe und technologischer Dynamik, zwischen regulatorischer Ungewissheit und alltäglichen Realitäten.

 

Das neue Jahr beginnt mit einem Paradoxon: Auf dem Papier müssen Unternehmen weniger Pflichten erfüllen – viele Gesetzesvorhaben stehen in der Schwebe, werden verschoben, verlangsamt oder entschärft. 

 

Gleichzeitig kommt die nächste Generation der EU-Regulierung gebündelt: Bis Ende 2026 sind mindestens sechs sogenannte „Omnibus-Pakete“ angekündigt. (Omnibus = bündelt Änderungen mehrerer EU-Richtlinien/Verordnungen in einen einzigen Rechtsakt) – darunter zur digitalen Fairness, im Datenschutz, im Steuerrecht, in der Nachhaltigkeit und in der Datenökonomie. Damit steigt auch die reale Komplexität: Neue technologische Standards, neue Unsicherheiten.

 

Wer jetzt auf die „großen Antworten der Gesetzgebung“ wartet, könnte in 2026 vielleicht erstmal enttäuscht sein. Um das neue Jahr dennoch gut planen zu können, wagen wir einen Ausblick auf 2026 der bedeutenden Trends, die aus unserer Sicht das kommende Jahr prägen werden.

 

Dieser Ausblick konzentriert sich auf die aus unserer Sicht drei wichtigsten Herausforderungen für den kleine und mittlere Unterenhmen in Deutschland für 2026: KI-Integration, die nachhaltige Ausrichtung und die Sicherung personeller Kontinuität. Externe Faktoren wie die globale geopolitische Lage oder makroökonomische Entwicklung werden hier bewusst nicht vertieft behandelt.

 

KI wird 2026 vorausgesetzt

 

Künstliche Intelligenz ist spätestens 2026 kein Sonderthema mehr. Ob Sprachassistenten in der Kundenkommunikation, Agenten im Reporting oder automatisierte Analyse-Workflows – KI ist Alltag in nahezu jedem Arbeitsplatz.

 

Viele Unternehmen diskutieren entweder noch, ob sie KI überhaupt nutzen sollen – selbst wenn, dann denken viele noch in einzelnen Tools, während es zunehmend um die Verknüpfung von KI mit anderen Systemen gehen wird. Was dabei besonders zu beachten ist:

 

➡️ KI-Systeme brauchen saubere Grundlagen. Beispiel: Nur wer Rechnungen im digitalen Originalformat verwendet (statt sie auszudrucken und wieder einzuscannen), wird auch erst die Potenziale von Buchhaltungs-KI nutzen können.

 

➡️ Psychologische Faktoren am Arbeitsplatz wie Unsicherheit, Kontrollverlust oder Kompetenzkonflikte verschärfen sich durch zunehmend eingesetzte KI und bleiben häufig unbearbeitet. Aus unserer Sicht ist es erfolgskritisch, sich mit der Veränderung zu beschäftigen, die KI mit uns Menschen erzeugt.  Dazu gehört etwa, Existenz-Ängste durch KI-Einsatz offen zu thematisieren und ältere Mitarbeitende besonders einzubinden.

 

➡️ Parallel zur technologischen Einführung braucht es Klarheit: Wer darf was mit welchen Daten tun? Was ist ethisch, was erlaubt – und was sollte dokumentiert sein? Siehe dazu auch unseren Artikel zur Schatten-KI.

 

➡️ Die klassische Suchmaschine wird abgelöst und zunehmend geht es zunehmend darum, das eigene Unternehmen in KI-Ergebnissen sichtbar zu machen. Das sogenannte Generative Engine Optimization (GEO) wird in den kommenden Jahren zur neuen Suchmaschinenoptimierung (SEO). Wer sich frühzeitig um die eigene GEO-Optimierung kümmert, wird in den Ergebnissen der KI-Systeme wie ChatGPT zukünftig sichtbar sein. Das ist ein entscheidender Moment für den Geschäftserfolg jedes Unternehmens.

 

➡️ Mit der exponentiellen Nutzung von KI entstehen auch zunehmende Cyberschutz-Risiken (z. B. durch Prompt Injection). Außerdem werden Datenschutz- und Datensicherheit somit zunehmend komplex (flankiert durch die NIS-2-Richtlinie zur Cybersicherheit).

 

Handlungsempfehlung zur KI in 2026
Beschäftigen Sie sich intensiv, was KI für Ihr Unternehmen bedeutet. Klären Sie Rollen und Aufgaben und binden Sie Mitarbeitende früh ein.

Technisch-strategisch: Wo soll KI konkret eingesetzt werden, wie greifen Systeme ineinander?

Menschlich : Was macht der Einsatz von KI mit Rollenbildern, Verantwortlichkeiten, Routinen und psychologischer Sicherheit?

Unser Artikel „Schatten-KI: Risiko oder Realitätscheck?“ bietet dafür erste Impulse.

Ist Nachhaltigkeit als Thema bei Unternehmen vorbei?

 

Die „Regulationsschwebe“ hat bereits 2024 & 2025 geprägt: Verschiebung der CSRD-Berichtspflichten, unklare Umsetzung des Emissionshandels ETS II, Rückzug der Green Claims Directive. Gesellschaftlich ist Nachhaltigkeit einerseits laut einiger Untersuchungen (z. B. Sinus (2025), Deloitte (2025) weiterhin wichtig, doch in vielerlei Hinsicht von der sichtbaren Agenda gerutscht.

 

➡️ Die ökonomische Betrachtung z. B. von Energiepreisen, CO₂-Kosten und Mitarbeitendenbindung zeigt die eigentliche Relevanz von Nachhaltigkeit – unabhängig davon, ob es „Nachhaltigkeit“ oder anders (z. B. „Existenzsicherung“) heißt.

 

➡️ Die Chance liegt weniger im Warten auf das Inkrafttreten von Gesetzen und mehr im vorausschauenden Denken an den langfristigen Unternehmenserfolg: Die eigene ökonomische, ökologische und soziale Ausrichtung ist und bleibt weiterhin Hebel für Kapital, Kundenvertrauen und Personalgewinnung.

 

➡️ Der neue EmpCo-Rahmen und dessen Umsetzung in das UWG macht nicht belegbare Umweltversprechen abmahnfähig. Jede „grüne“ Werbeaussage (Claim) muss noch bis September 2026 belegt werden.

Handlungsempfehlungen Nachhaltigkeit 2026
Schauen Sie weniger auf Pflichten, sondern auf Ihre Hebel: Wo entstehen heute unnötige Kosten und Risiken? An welchen Stellen lassen sich durch ökonomische, soziale und ökologische Verbesserungen Wettbewerbsfähigkeit steigern? (z. B. Betriebs- und Fuhrparkkosten senken). Gehen Sie in den Dialog mit dem Team: Wo empfinden Mitarbeitende den Alltag als wenig nachhaltig? Welche Ideen schlummern bereits intern? Oft liegt das Wissen schon vor.

Und schließlich: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell in zehn Jahren aus? Welche Produkte oder Dienstleistungen werden Bestand haben – und welche unter Druck geraten?

Nachfolge und Fachkräftemangel als soziale Fragen

 

2026 verschärfen sich zwei Linien gleichzeitig: Der Nachfolgedruck in inhabergeführten Unternehmen steigt und der Wettbewerb um geeignete Fachkräfte nimmt weiter zu. Das Ergebnis: Stillstand, obwohl Veränderung dringend wäre.

 

Was oft übersehen wird:

 

➡️ Nachfolge ist nicht nur Steuern & Recht, sondern auch ein soziale Frage: Welche Erwartungen, Rollenkonflikte, emotionale Unsicherheiten beeinflussen den Übergabe-Erfolg?

 

➡️ Unternehmen investieren mehr in die Rekrutierung, statt in eine Organisation, die Mitarbeitende bindet. Die Bindung entsteht erst jedoch durch ein Umfeld, das Mitarbeitende zum Bleiben einlädt und ist finanziell deutlich günstiger als hohe Fluktuation.

 

Handlungsempfehlungen 2026 für mehr Mitarbeitendenzufriedenheit und Nachfolge-Erfolg
Machen Sie (Un)zufriedenheit im Team sichtbar – z. B. durch regelmäßige Feedbackschleifen oder Umfragen. Der eigentliche Hebel liegt oft im Inneren: Wie können bestehende Mitarbeitende gestärkt, entwickelt und gehalten werden? Und: Was verhindert heute eigentlich, dass Wissen, Verantwortung oder Motivation sich weiterentwickeln?

Schaffen Sie Reskilling-Programme und Entwicklungsmöglichkeiten für erfahrene Mitarbeitende.

Starten Sie frühzeitig in die Vorbereitung auf Nachfolge (min. 5 Jahre).

Fazit: 2026 wird kein Jahr der Klarheit

 

Viele Unternehmen hoffen auf eindeutige Leitlinien. Doch 2026 bringt vor allem eines: Widersprüche.

 

Zwischen Technologiestandards und psychologischer Überforderung. Zwischen politischem Rückzug und steigenden Anforderungen aus der Praxis. Zwischen wirtschaftlichem Druck und fehlender Orientierung.

 

Was in 2026 tragen wird: Der Mut, die wichtigen (und manchmal unangenehmen) Fragen immer wieder konsequent zu stellen: Wie arbeiten wir wirklich? Wo hakt es im Alltag? Was wird teurer, riskanter oder ineffizienter, wenn wir nichts ändern?

Planen Sie weitere Schritte zu Nachhaltigkeit und Digitalisierung?
Lassen Sie sich von uns bei einer kostenlosen Erstberatung informieren!

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