Wir begleiten Dein Unternehmen beim nachhaltigen und digitalen Umbau! Von Westfalen - deine Nachhaltigkeitsberatung aus Berlin

Warum Steuerberater Prozesse und Mindset verändern müssen? In diesem 2. Gastbeitrag stellt Euch Florian Gößmann-Schmitt (Gründer prozesscheck.online) vor, wie sich zukunftsfähige Steuerkanzleien wirkungsvoll abheben können, um zum Fachkräfte- und Mandantenmagnet zu werden!
In Teil I meines Gastbeitrags hatte ich Dir gezeigt, welche Vorteile Nachhaltigkeit in Bezug auf Deine internen und externen Prozesse hat. Heute möchte ich Dir einen kurzen Einblick geben, wie sich Nachhaltigkeit auf Deine (potentiellen) Mandanten und Mitarbeiter auswirken kann.
Werfen wir doch mal einen Blick auf ein weiteres großes Problemfeld unserer Branche, den Fachkräftemangel.
Manchmal bin ich etwas traurig, dass ich „schon so lange“ dabei bin, von den Gehältern die inzwischen für Steuerfachangestellte und andere Fachkräfte aufgerufen werden, habe ich damals noch nicht mal zu träumen gewagt. Inzwischen verdient ein frisch ausgelernte/r Steuerfachangestellte/r genauso viel wie ich nach meiner Fortbildung zum Bilanzbuchhalter.
Zum einen natürlich, weil unsere Branche viel zu lange, viel zu schlechte Löhne bezahlt hat. Aber auch weil viele Kanzleien sich nicht anders zu helfen wissen als dem Fachkräftemangel damit entgegenzutreten, einfach immer mehr Gehalt zu bieten.
Leider zeigt sich dabei immer öfter, dass das allein nicht reicht: Inzwischen haben Fachkräfte in unserer Branche die Qual der Wahl, wenn es um einen Arbeitgeberwechsel geht. Regelmäßige Angebote von Head-Huntern sind inzwischen Usus, so dass die ersten Kanzleien Ihre Mitarbeiter nicht mehr auf der Kanzlei-Homepage benennen.
Da nützt auch die schönste Karriereseite auf der Homepage nichts, wenn dort nicht viel mehr zu finden ist als die üblichen Floskeln und dass Ihr ein tolles Team seid.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Du musst zusammen mit deinen Mitarbeitern herausfinden was für Dich und Euch der richtige Weg ist.
Trotzdem gibt es natürlich Rahmenbedingungen, die jede fortschrittliche Kanzlei inzwischen implementiert haben sollte. Daher solltest Du Deinen Mitarbeitern bedingungslos ortsungebundenes Arbeiten ermöglichen. Ja ganz genau, das erfordert eine Änderung des Führungsstils – aber diese braucht es ohnehin.
Regelmäßige Team-Meetings und eine entsprechend angepasste Führung sind dafür Voraussetzung – bringen aber gleichzeitig die Möglichkeit, auch überregional Fachkräfte für sich zu gewinnen. Da Führungskräftetraining kein Teil Deiner Ausbildung zum Steuerberater war, solltest du dich entsprechend fortbilden.
Viele Studien zeigen, dass ein schlechter Führungsstil der größte Produktivitätskiller in deutschen Unternehmen ist – nur rund 15% der Arbeitnehmer sind motiviert und mit Hand, Herz und Verstand dabei.
Ein weiterer Ansatz ist auch die Reduzierung der Arbeitszeit – dass das funktioniert, zeigt Erich Erichsen uns nun schon seit langer Zeit. Ich selbst habe einen Handwerksbetrieb betreut, der sein Arbeitskräfteproblem schon vor 5 Jahren mit einer 4 Tage Woche gelöst hat – jedes Wochenende ein verlängertes Wochenende – in einer Berufsgruppe wo man sowas vermutlich kein zweites Mal findet – der Effekt? Inzwischen hat das Unternehmen über 10 weitere Niederlassungen. Fachkräftemangel? Völlig unbekannt.
Gerade in einem digitalen oder hybriden Arbeits-Modell ist es umso wichtiger, den internen Zusammenhalt und die Verbundenheit untereinander und zur Kanzlei zu erhalten. Das können Team-Meetings, Ausflüge oder Fortbildungs-Treffen sein. Große Firmen beschäftigen dafür eigene Mitarbeiter, die sich um das Wohlbefinden der Mitarbeiter kümmern, das sprengt in deiner Kanzlei vermutlich den Rahmen – aber das heißt ja nicht, dass Du nicht mal über den Tellerrand gucken kannst.
Und wenn wir gerade beim Tellerrand sind: Schau doch mal, was beliebte Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter machen und überlege, was zu Dir und Deiner Kanzlei passt – ich habe vom Kanzlei-Kickertisch über ein eigenes Kanzlei-Wohnmobil für Mitarbeiter schon fast alles gesehen.
Eine gute Freundin von mir führt eine Kanzlei in Würzburg und zahlt jedem neuen Mitarbeiter einen Kurs zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit – Kostenpunkt 5.000 € – lohnt sich das? Natürlich! Überleg Dir mal, wie viel produktiver Dein Mitarbeiter ist, wenn er mit sich im Einklang ist und nicht 20 Minuten täglich den Kollegen sein/ihr Leid klagen muss oder durch negative Gedanken und Sorgen abgelenkt ist, sondern fokussiert und motiviert die Arbeit erledigt.
Bevor Du jetzt aber in freudiger Erwartung eines betrieblichen absetzbaren Wohnmobils beim Händler deines Vertrauens anrufst, habe ich noch einen Tipp, den Du davor berücksichtigen solltest.
Auch wenn wir damit etwas abschweifen, sollte ich jemals wieder eine Kanzlei eröffnen, dann würde ich diese nur noch ohne Hierarchien führen. Jörg Eckstädt aus Braunschweig lebt das Konzept nun schon einigen Jahre – völlige Transparenz der Kanzleifinanzen ist ein Muss, gesperrte Kanzleibuchhaltungen kann er zu Recht nicht nachvollziehen. Seine Mitarbeiter arbeiten jeden Tag mit Zahlen. Wenn also die Lohnerhöhung zum 1.1. ausbleiben würde, aber der Chef 2 Wochen später mit einem neuen A8 vorfährt, dann wissen die Mitarbeiter auch ohne Einblick in die Kanzleibuchhaltung, dass gehörig etwas schief läuft.
Gib Deinen Mitarbeitern die Chance, Ihren Teil zum Kanzleierfolg beizutragen und dann lass Sie auch davon profitieren – nicht nur monetär, sondern so, wie es für jeden deiner Mitarbeiter richtig ist. Das mag für den einen eine Lohnerhöhung für den anderen ein Tag mehr Urlaub sein – auch das ändert sich im Laufe eines Arbeitslebens. Kommen wir nun aber zur Nachhaltigkeit zurück.
Wenn du deinen Mitarbeitern also ein hybrides Arbeitsmodell mit 50% Home-Office oder Remotearbeit bietest, dann würde in unserem Beispiel der jährliche CO2 Verbrauch – alleine durch den Entfall der Fahrten – von 2,5 Tonnen auf knapp 1,2 Tonnen sinken. Also rund eine Tonne pro (vergleichbarem) Mitarbeiter pro Jahr.
Du siehst Du wirst nicht nur als Arbeitgeber attraktiver, sondern tust gleichzeitig noch etwas für die Umwelt, was wiederum deine Attraktivität als Arbeitgeber steigert.
Werfen wir zum Abschluss auch noch einen Blick auf deine (potenziellen) Mandanten. Welche Auswirkung hat es, wenn Du deine Steuerkanzlei nachhaltig ausrichtest?
Immer mehr junge Unternehmen – fokussieren sich auf eine nachhaltige Tätigkeit, wie Ecosia oder die Tomorrow Bank – aber auch immer mehr kleine Läden wie z. B. die Selbstbedienungshofläden in der Landwirtschaft oder Produktionsbetriebe, die den cradle to cradle-Ansatz (Kreislaufwirtschaft) verfolgen.
Solche Unternehmen suchen „Zulieferer“, die ihrerseits einen nachhaltigen Ansatz verfolgen, da viele Kanzleien dieses Potential noch nicht erkannt haben, gibt es deutlich weniger Konkurrenz – zudem suchen solche Unternehmen in der Regel auch nicht den „billigsten“ Anbieter, sondern den „kompetentesten“ Ansprechpartner.
Wenn Du also das Portfolio Deiner Kanzlei um Beratungsbausteine wie Nachhaltigkeitsberatung oder CO2-Bilanzierung erweiterst, dann kannst Du mit genau diesen Mandanten viel höhere Beratungsumsätze generieren.
Du siehst also die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Mandanten- und Mitarbeitermagnet gehen Hand in Hand.

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© Von Westfalen 2026
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